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Hashtags im Marketing – Hört auf damit

Sie sind einfach überall: auf Instagram, Twitter oder Facebook, aber auch auf Plakaten, in TV-Spots und auf Werbebannern. Hashtags sind zur Allzweckwaffe von Werbern und Marketingmanagern mutiert. Was das alles soll und wo es Sinn ergibt (und wo nicht), lest ihr hier.

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Eine Bemerkung am Rande: Hier soll es nicht um den privaten Gebrauch von Hashtags gehen. Macht da mit dem Rautezeichen, was auch immer ihr wollt. Das ist mir #Wurst.

Was sind Hashtags?

Beginnen wir mit dem Zeichen, das vor jedem Hashtag steht: #. In der Schweiz gerne „Gartenhag“ genannt, ist es im deutschen Sprachraum auch als „Doppelkreuz“, „Rautezeichen“ oder schlicht „Raute“ bekannt; auf Englisch wäre es das „Pound Sign“, „Number Sign“ oder eben einfach „Hash“. Angefangen hat die funktionale Nutzung der Raute vor langer Zeit, als das Chat-System IRC noch hoch im Kurs war. Die Raute wurde dazu genutzt, als Kennzeichnung für thematisch zusammenhängende Gruppen, Kanäle etc. genutzt. Thematisch ähnliche Inhalte konnten so einfach gefunden werden, egal, was ihre eigentliche Bezeichnung war.

Vor bald zehn Jahren kam dann jemand auf die Idee, dass diese Art von Bündelungen von thematisch zusammenhängenden Inhalten auch auf dem aufkommenden Twitter:

Eine geniale Idee, die den eigentlich ziemlich unübersichtlichen Mikroblogging-Dienst organisierter und auch vernetzter gemacht hat. Während davor Tweets zu einem Thema manuell mit der Suchfunktion aufgestöbert werden mussten, reicht dank dem Hashtag nun ein Klick auf den Begriff mit vorangegangener Raute. Angezeigt wird nämlich nichts anderes als die Suchresultat-Seite für eine Suche nach dem angeklickten Hashtag.

Und genau hier liegt der grosse Mehrwert eines Hashtags: Er soll dazu genutzt werden, thematisch relevante Inhalte auf einer Plattform zu finden. Sind Inhalte mit den richtigen Tags versehen, sind sie dadurch untereinander verknüpft und Nutzer können einfach weitere Inhalte zum entsprechenden Thema finden und letztlich auch damit interagieren.

Kurz: Hashtags haben eine Funktion. Sie verbinden Inhalte und sollen dem Nutzer damit einen Mehrwert bringen.

Hashtags auf Social-Media-Plattformen

Seit dem Hype um IRC sind ein paar Jahre vergangen und neben Twitter haben auch andere Webseiten (meist zur Verschlagwortung) und Social-Media-Plattformen Hashtags eingeführt und mit mehr oder weniger Erfolg etabliert:

Instagram

Mit 600+ Millionen aktiven Nutzern ist Instagram im 2017 nicht mehr wegzudenken. Und im Gegensatz zum eher nischenhaften Dasein von Twitter hat Instagram eine sehr breite Nutzerbasis, die Hashtags nutzt. Und meist bleibt es dabei nicht bei einem einzigen, was auch zum Erfolg der Inhalte beiträgt. Mehr relevante Hashtags = mehr Präsenz in Tag-Ergebnisseiten = Möglicherweise mehr Interaktion und Follower.

Twitter

Wie in der obigen Einführung erklärt, lebt Twitter zu einem grossen Teil von Hashtags. Neben der thematischen Bündelung sind sie hier auch bei zeitlich begrenzten Dingen wie TV-Sendungen oder Sportveranstaltungen sehr beliebt. So geht es bei Tatort jeweils auch auf Twitter ziemlich ab:


Facebook

In 2013 hat auch Facebook funktionale, als verlinkte Hashtags eingeführt. Da Facebook aber grösstenteils aus fast ausschliesslich privaten Nutzerprofilen und öffentlichen Seiten besteht, sind die Hashtag-Suchresultate immer nur eine eingeschränkte Ansicht von Inhalten zum entsprechenden Thema. Für Facebook-Seiten heisst das abgekürzt meistens, dass zu generische Begriffe indirekt auch auf ähnliche Beiträge der Konkurrenz zeigen können, zu spezifische (oder «eigene») Tags jedoch nur die eigenen Inhalte zeigen. Letzteres kann durchaus spannend sein, wenn ähnliche Inhalte gebündelt werden sollen. Jedoch haben Hashtags bei Facebook-Nutzern nie richtig den Durchbruch geschafft; Teils sagen Studien sogar, dass Beiträge mit Hashtags sogar eine kleinere Reichweite haben, also solche ohne Raute-Nutzung.

Snapchat

Aktuell gibt es auf Snapchat keinen Grund, Hashtags zu nutzen. Sie sind nicht verlinkt, es gibt keine Suche und die Inhalte sind nicht dafür gedacht, indexiert und somit gefunden zu werden. Dazu kommt, dass die Inhalte nach maximal 24 Stunden weg sind.

Google+

Hahaha. Google+. Nein.

Wo Hashtags sinnvoll sind

Um das nochmal zu erwähnen: hier soll es um Hashtags im groben Kontext von Marketing gehen. Lädt eure privaten «#nofilter #misbüsiischsuper #f4f»-Bilder gerne bei Instagram hoch, wie es euch beliebt.

Evians Hashtag: Wenn man genug gross ist, geht alles

Evians Hashtag: Wenn man genug gross ist, geht alles

Wie in obiger Erklärungen umschrieben, sollen Hashtags eine Funktion erfüllen, beispielsweise Inhalte bündeln. Ruft also eine Marke zum Teilen von Inhalten auf, soll dies auch sinnvoll sein. Wenn man nicht gerade ein Riese wie Evian ist (siehe Beispiel), wird es ziemlich schwer, Nutzer zur öffentlichen Veröffentlichung von Inhalten zu bringen. Aber es kann klappen. So ergeben spezifische Hashtags beispielsweise dann Sinn, wenn Teilnahmen an einem Fotowettbewerb gesammelt werden sollen.

Auch das Bündeln von Inhalten, die während einer zeitlich oder geografisch begrenzter Situation erstellt wurden, kann mit einem Hashtag sinnvoll kommuniziert werden: Sollen Besucher einer Veranstaltung alle Bilder und Beiträge mit einem Hashtag posten, sagt es ihnen. Wenn sie wissen, dass der «offizielle» #HeleneFischerZH ist, wird dieser wohl auch genutzt werden. Gleiches gilt für TV- und Sport-Ereignisse. Fast niemand stört sich an einem dezent kommunizierten Hashtag in solchen Situationen. Das sieht beispielsweise so aus.

Wo Hashtags Quatsch sind

Leider sind Hashtags zu sehr in Mode gekommen. Marketing-Leute mit wenig bis keinem digitalen Verständnis nutzen sie, um etwas «digital zu machen». Fehlt der digitale Twist? Hashtag drauf. Soll online darüber geredet werden? Hashtag drauf. Soll etwas modern wirken? Hashtag drauf!

Doch hier sagen Beispiele nun mehr als tausend Worte (anklicken für die Grossansicht):

Noch nicht genug? Hier ein paar weitere Beispiele, die ich gesehen habe:

Noch immer nicht genug? Den sprichwörtlichen Bock schiesst Audi mit dieser Werbung ab, die so mindestens online bezahlt verbreitet wurde. Ich will gar nicht wissen, ob das auch noch im TV lief.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass Hashtags auch Stilmittel benutzt werden können. Klar, können sie das, aber er fühlt sich dadurch ähnlich an, wie das @-Zeichen in den 90ern.

Ganz ehrlich: Diese Hashtags sind schlicht und einfach sinnlos. Sie haben keine Funktion, bringen keinen Mehrwert für niemanden. Niemand hat etwas davon. Liebe Marketing-Experten, setzt Hashtags sinnvoll ein oder lasst es. Danke.


Ihr seid anderer Meinung? Ihr kennt weitere gute Beispiele für den sinnvollen Einsatz von Hashtags oder auch von Gegenteil? Ab damit in die Kommentare!


Disclaimer: Dieser Artikel beinhaltet meine persönliche Meinung und nicht die meines Arbeitgebers.
Quellen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, eigene Aufnahmen

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Gegen Informationsüberflutung – RSS-Feeds nach Beliebtheit filtern (PHP-Script)

Vor bald drei Jahren habe ich über die konstante Informationsüberflutung geschrieben, welche uns täglich fordert (besonders im digitalen Umfeld und im Beruf). Wie damals beschrieben, beziehe ich einen grossen Teil meiner privaten und professionellen Aktualitäten mittels RSS-Feeds, woran sich bis heute nichts geändert hat. Inhaltlich hat sich jedoch viel getan: Ich folge mehr Seiten und erhalte folglich auch mehr Updates. Das ist grundsätzlich in Ordnung, besonders jedoch bei grossen Seiten wie zum Beispiel Mashable wird die schiere Masse (alleine da sind es >700 Artikel pro Woche) mühsam. Deshalb habe ich mir ein Script geschrieben, dass diese Einträge nach ihrer Beliebtheit filtert. Weiterlesen