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Ich würde dafür ja sogar bezahlen… wenn ich nur könnte!

Es ist die grosse Frage, die sich viele Branchen stellen: „Wie kann ich meine Arbeit in der digitalen Zeit zu Geld machen“. Besonders betroffen sind Medienhäuser, aber auch die Filmindustrie schafft den digitalen Durchbruch irgendwie nicht. Die einzige Lösung scheint Werbung zu sein – doch ist dies wirklich so?

Hersteller und Anbieter von Inhalten sind besonders betroffen, schieben der „Gratiskultur des Internets“ gerne den Schwarzen Peter für Verluste, Stellenabbau und allgemein für negative Geschehnisse in ihrer jeweiligen Branche zu. Systeme wie klassische Zeitungs-Abos funktionieren plötzlich nicht mehr, da das Internet Informationen anders transportiert. Die Antwort sind meistens schlichte Adaptionen der ehemals funktionierenden Modelle (z.B. Online-Abos für Zeitungen) oder eben Werbung auf der Seite. Doch wie wäre es mit anderen Ansätzen? Hier ein paar Ideen:

Für Online-Plattformen: Premium-Mitgliedschaften

YouTube, Facebook und Co. haben verhältnismässig gut funktionierende Werbe-Flächen, mit denen sie sich finanzieren. Ob das rentabel ist, kann mal in Frage gestellt werden. Fakt ist: Ein Grossteil dieser Werbung nervt. Seien dies sich wiederholende YouTube-Vorspanne oder auch penetrante Remarketing-Anzeigen für einen Pullover auf Zalando, den ich bereits vor zwei Wochen gekauft habe. Ich – und bekanntlich der grösste Teil der Nutzer – ignoriert diese Anzeigen oder blendet sie direkt mit einem Werbeblocker aus.

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Dabei liegt die Lösung doch eigentlich so nah: Ich würde mich nur zu gerne von der Werbung freikaufen können. Viele YouTuber haben dies bereits erkannt und ermöglichen es Nutzern anstelle auf Plattformen wie Subbabble oder Patreon, sie mit einem finanziellen Beitrag zu unterstützen. Sowas will ich auch! Einfach gerechnet (aka geschätzt) verdient YouTube mit mir durch die Werbung 1 Franken pro Monat. Dabei wäre ich bereit, locker das Dreifache zu bezahlen, um gar keine Werbung mehr zu sehen.

Vorschlag: eine freiwillige Premium-Mitgliedschaft auf Plattformen wie Facebook oder YouTube für monatlich CHF 3.00, dafür keine Werbung.

Bei Smartphone-Apps funktioniert dieser Ansatz ja bereits prima: Keine Werbung in der App gewünscht? Die Premium-Version kaufen. Zudem sind bei US-Medien ähnliche Tests geplant.

Für die Filmindustrie: realistische Preise

Irgendwie ist es langsam lächerlich: Seit dem Aufkommen von Piraterie wird hier herumgeweint, dass dies zu gigantischen Verlusten führe (auch wenn Studien das Gegenteil beweisen). Am Angebot wird jedoch nichts geändert. Und so kommt es, dass ein Film wie „Guardians of he Galaxy“ als HD-Download CHF 23.00 kostet, die BluRay (inkl. Extras etc.) aber nur CHF 19.00 – inklusive Versand? Ganz ehrlich: Das ist kompletter Schwachsinn.

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Doch wie könnte man Leute vom (in der Schweiz legalen) „illegalen“ Download von Filmen und auch Serien abhalten und gleichzeitig auch noch zusätzliche Einnahmen generieren? Macht realistische Preise! Das schöne an der digitalen Welt ist, dass es keine physische Kopien braucht, es werden also Kosten in der Produktion, der Fertigung, der Logistik etc. gespart (dies gilt übrigens auch für überteuerte eBooks). Nutzt diese Vorteile, bietet eure Werke zu Preisen an, die Sinn machen und auch bezahlt werden wollen.

Nur zu gerne würde ich für einen Film ein paar Franken bezahlen, um diesen in guter Qualität gemütlich zu Hause ansehen zu können. Die Veröffentlichung vom Film „The Interview“ auf diese Art hat gezeigt, dass Leute bereit sind, für Filme zu zahlen – besonders, wenn diese aktuell sind.

Vorschlag: Filme für CHF 5.00-10.00 bereits beim oder kurz nach dem Kinostart als weltweit Download (nicht nur zur Miete) zur Verfügung stellen.

Weitere Ansätze wie Netflix gehen bereits in die richtige Richtung, es ist jedoch nachvollziehbar, dass aktuelle Filme nicht einfach ohne Aufpreis zum bestehenden Paket hinzugefügt werden.

Für Zeitungsverlage: nicht nur teure Abos

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Jaja, die armen Zeitungen. Immer weniger wollen ein Print-Abo bezahlen, Paywall finden auch alle doof (und hebeln diese einfach kurz aus) und darunter leiden müssen am Schluss die eh schon schlecht bezahlten Journalisten. Als Antwort wird dann oft mal die Seite mit Werbung voll gepflastert (am besten inkl. Animationen) oder ein digitales Abo eingeführt. Ein solches kostet bei der NZZ beachtliche 500 Franken pro Jahr. Als Vergleich: Das Print-Abo inkl. digitalem Abo kostet CHF 675.00 (frech ausgerechnet kostet ein einzelnes Print-Exemplar also nur 55 Rappen).

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Ein etwas zugänglicherer Preis gibt es beim Tagesanzeiger: Das rein digitale Abo kostet hier 216.- pro Jahr. Geht doch! Denn auch bei Zeitungen ist das Freikaufen von Werbung eine valide Option – besonders bei werbelastigen Seiten wie z.B. jener der 20 Minuten. Doch wie wären Alternativen wie das Bezahlen für ausführliche, lange Artikel und Reportagen? Entweder per Abo oder für einen kleinen Betrag? Oder einen zeitbasierten Ansatz: je länger ich auf einer Newsseite aktiv bin, desto mehr konsumiere ich und desto stärker wäre ich bereit, etwas zu bezahlen. So würde das kurze Surfen in den aktuellen Top-Stories nicht ins Gewicht fallen und es käme au keine Reue auf, die Seite mal länger nicht besucht wird.

Vorschlag: Gebt uns Optionen! Gerne würde ich für eine gute Reportage CHF 2.00 zahlen, oder mir auch meine Konsum-Zeit verrechnen lassen. Das Abo für Traditionelle kann ja auch weiterhin möglich sein.

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Natürlich, diese Ideen mögen nicht neu sein. Doch in Zeiten, in denen Apps wie Uber mit Finanzierung überschüttet werden, dürfen sich bereits etablierte Systeme auf keinen Fall im Selbstmitleid suhlen und anderen die Schuld zuweisen. Die Zeit ist reif für neue, kreative Lösungen, denn was bisher funktioniert hat, wird nicht immer auch weiterhin funktionieren.

Was meint ihr, machen solche beschriebenen Ansätze Sinn? Würdet ihr für YouTube Premium zahlen? Und habt ihr sogar eigene Ideen?

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