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Schmückt euch nicht mit fremden Federn – Quellenangaben auf Social Media

Eigentlich klingt es so einfach: ein Bild oder Video, das ich im Internet gefunden habe und (weiter-) verbreiten will, wird mit einer  Quellenangabe versehen. Leider meist nur Wunschdenken. Doch: Wir können das besser!

>> Direkt zum Quellen-Spickzettel für Social Media springen <<

Disclaimer: Ich versuche, hier sämtlichen rechtlichen Aspekte auszugrenzen. Dafür gibt es Experten und mein Halbwissen bringt nur wenig. Auch beschränke ich mich auf das Teilen von Inhalten auf Social Media. Piracy, Streaming und Co.  sind Themen für ein andermal.

Das Problem: Inhalte, Inhalte überall

Wir alle kennen es: Wir finden irgendwo in den Unweiten des Internets ein cooles Bild, ein lustiges Video oder ein inspirierendes Stückchen Text. Sozial wie wir halt sind wollen wir diesen Inhalt natürlich teilen; mit unseren Facebook-Freunden, unseren Twitter- oder Instagram-Followern oder unseren LinkedIn-Kontakten. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten, wie so etwas gemacht werden kann:

  • Ich teile den Link zum Inhalt in meinem Profil
  • Ich teile den Inhalt in meinem Profil
  • Ich teile den Inhalt und den Link in meinem Profil

Ich teile den Link zum Inhalt in meinem Profil: Den Link zum Fundort zu teilen ist ziemlich einfach, jedoch nicht ganz so schön: Die Empfänger (also Freunde, Follower, Kontakte, etc.) sehen den Inhalt nicht direkt, sie müssen zuerst einen Link anklicken. Somit werden sie vom eigenen Profil weg geleitet, das ist auch irgendwie unschön. Und zu guter Letzt muss der Inhalt, beispielsweise ein Bild, auf der verlinkten Webseite zuerst auch wieder gefunden werden (vielleicht war es ja nur eines aus einer ganzen Galerie). Fazit: irgendwie nicht ganz befriedigend.

Ich teile den Inhalt in meinem Profil: Diese zweite Option ist das Kernthema dieses Artikels hier. Dabei wird eine Kopie des Inhalts angefertigt, den man teilen will. Dies passiert direkt mittels Download, Screenshot oder auch dem schlichten Kopieren eines Textes. Der Inhalt ist jetzt also auf dem eigenen Gerät und kann im eigenen Profil geteilt werden, vielleicht noch ergänzt mit einem Meme-mässigen Text. Klarer Vorteil hier, gegenüber obiger Option: Der Inhalt ist im eigenen Profil, kann also direkt angesehen werden, ohne weiteren Klick oder Suchen auf der Quellenseite. Inhalte direkt anzeigen kommt auch besser an, oder? Also: Happy End? Leider nein.

(Spoiler: die dritte Option ist eine gute Lösung, mehr dazu unten)

An dieser Stelle lohnt es sich, die Dokumentation Everything’s a Remix zu schauen (Video unten).

Es ist wichtig zu verstehen, dass aus existierenden Inhalten neue Inhalte entstehen können und diese Remix-Kultur meiner Meinung nach etwas Tolles ist! Viele Inhalte können so neues Leben erhalten, im Kleinen als Memes oder auch als Teil eines grossen Ganzen.

Oder wie Kirby Ferguson von „Everything is a Remix“ die Entstehung neuen, kreativen Inhaltes in drei Stufen beschreibt:

  1. Copy
  2. Transform
  3. Combine

Problematisch wird es, wenn der geteilte Inhalt lediglich aus der ersten Stufe dieser Kreativität (dem Kopieren) stammt und bewusst oder unbewusst geteilt und mangels Quelle als eigener Inhalt interpretiert werden kann. Und genau dazu führt die obige zweite Option („Ich teile den Inhalt in meinem Profil“) meistens.

Aber so viele machen das auch…

Wirklich erwähnenswert ist dieses Thema nur, weil es so verbreitet ist. Mal kurz ein Bild herunterladen und per WhatsApp teilen ist voll in Ordnung, der Kreis der Empfänger ist eher klein, die Verbreitung nicht wirklich öffentlich. Aber wie sieht es aus, wenn dieses Bild an nicht nur ein paar Dutzend sondern gleich an ein paar Tausend oder gar ein paar Millionen Nutzer verbreitet wird, natürlich öffentlich, auf Twitter, Instagram, Facebook oder gar der eigenen Webseite?

Beginnen wir mit Facebook.

Auf Facebook gibt es unzählige Seiten oder auch persönliche Profile, die öffentlich „gute“ Inhalte teilen und damit grosse Erfolge feiern. Dazu gehören Seiten wie „Ghetto News“ (ich verlinke hier ganz bewusst nicht darauf). Diese Art Seiten gibt es unterdessen wie Sand am Meer, sie funktionieren immer etwa gleich:

  • Es wird Inhalt (primär Bilder und Videos) geteilt, der sich bereits auf anderen Plattformen (z.B. Reddit) bewährt hat. Videos werden meistens mit weissen oder schwarzen Balken ergänzt auf denen der Titel (oft noch mit einem Emoji) ersichtlich ist.
  • Es wird dazu aufgefordert, Freunde in den Posts zu markieren.
    (Kurz dazu: Hört bitte damit auf, einfach Namen eurer Freunde als Kommentare zu posten. Es geht fast gleich schnell und genau so einfach per Nachricht. Einfach auf „Teilen“ drücken und oben den Freund als Empfänger auswählen, siehe hier).

Das sieht bei der erwähnten „Ghetto News“-Seite in der Video-Sektion dann etwa wie folgt aus:

ghetto-news-videos

(und bei den Bildern sieht das beispielsweise so aus)

Selbstverständlich geben solche Seiten eigentlich nie Quellen an. Wieso auch? Findet ja niemand raus und können die eigenen Fans ja nur zu anderen Quellen treiben. Gleiches gilt für das Teilen des originalen Inhaltes, als z.B. dem Quell-Video von YouTube oder dem Bild aus der Quelle einer anderen Facebook-Seite. Das machen aber nicht nur Seiten wie „Ghetto News“, nein auch bekannte Persönlichkeiten wie Kay One etablierte Medien-Riesen sind hier auch immer mal wieder auf der „sichereren“ Seite und haben den Inhalt lieber direkt bei sich:

Ein faszinierendes Verständnis von Copyright hat man bei den Kollegen in der Schweiz.

Posted by Jörgen Camrath on Thursday, November 19, 2015

(Boom, gesehen? Man kann sogar Facebook-Inhalte direkt auf Webseiten einbinden!)

Bleiben wir bei Medien, nun aber auch Twitter.

Gleiches Problem hier, vielleicht etwas weniger verbreitet, da Twitter bei der grossen Masse nicht ganz so etabliert ist, wie eben Facebook und Instagram (dazu mehr weiter unten).  Ich selbst liebe Twitter und erhalte da viele meiner Informationen zu allen möglichen Themen. Hierzulande haben aber besonders Marketing- und Medienleute ihren Spass am Mikroblogging-Dienst gefunden und sich oft eine beachtliche Anzahl Follower aufgebaut.

Besonders Journalisten wissen, dass gute Quellen wichtig sind und einen Inhalt erst richtig wertvoll machen können. Und trotzdem lassen sich auch professionelle, gut ausgebildete Redaktoren zu solchen Tweets hinreisen:

Das Problem hier? Das Video ist nicht von Konrad. Er hat beruflich zwar über die Anschläge berichtet, dies aber von Zürich aus. Das Video stammt eigentlich (so weit ich herausfinden konnte) von Natalia Gallois, einer französischen Journalistin, die das Video etwa eine halbe Stunde vorher selbst veröffentlicht hatte. Wie bei obigem „Ghetto News“-Beispiel wurde auch hier der Inhalt lediglich kopiert (mit einem Deutschen Beitext versehen) und ohne Referenz zur Quelle gepostet. Schade, da auf Twitter das Teilen einer Quelle inkl. hinzufügen eines eigenen Kommentars mit der neue Retweet-Funktion besonders elegant möglich wäre.

Bei Twitter sind jedoch eher Bilder das Problem und werden immer wieder ohne Quellenangabe verbreitet (nur ein Beispiel hier). Da Twitter die Nachrichtenlänge auf 140 Zeichen begrenzt und angehängte Medien bereits 25 dieser Zeichen aufbrauchen, ist es natürlich besonders verlockend, Zeichen zu sparen, indem die Quelle weggelassen wird, obschon die Möglichkeit eigentlich da wäre.

entauscht(GIF via Giphy)

Auf Instagram gibt es da weniger Optionen.

In Posts kann man keine Links setzen und Texte werden rasch abgeschnitten. Bekannte Accounts wie z.B. Swissmeme zelebrieren die oben beschriebene Remix-Kultur mit schweizerdeutschen Memes. Und dann gibt es aber Accounts, die noch erfolgreicher sind, z.B. Samedin Selimović (>420’000 Follower, eine beachtliche Zahl auf Instagram). Samedin und auch sein Cousin Becir (>120’000 Follower) machen nicht anderes, als „Weisheiten“, Zitate oder andere kurze Text auf Bildern zu veröffentlichen. Es sind Sprüche, wie sie ältere Frauen gerne auf Bildern mit Sonnenuntergängen im Hintergrund lesen. Oder eben auch von einer jüngeren jugendlichen Zielgruppe als Inspiration gern gesehen wird.

Hier ist die Sache nicht ganz so klar, da viele der Texte nicht wirklich zurückverfolgt werden. Manchmal gibt Samedin seine Quellen auch an (z.B. 2pac), meist aber nicht. Viele solche Sprüche werden von Blog zu Blog, von Tumblr zu Twitter, von hier nach da kopiert, oft auch von „Poeten“ wie beispielsweise dem oben erwähnten Kay One. Immerhin steht Samedin dazu:

Rund dreissig Prozent seiner Posts kommen von Samedin selbst, den Rest übernimmt er von Schauspielern, Autoren oder anderen Blogs, die Ähnliches produzieren. Natürlich in gegenseitigem Einverständnis.

Quelle: Blick am Abend

Ich persönlich zweifle zwar ein wenig daran, dass für wohl über 400 Beiträge nach der Einverständnis gefragt wurde (und diese gegeben wurde), dass  tut hier aber nichts zur Sache. Dass ein Account, der zum grössten Teil aus kopierten Inhalten besteht, jedoch so erfolgreich ist, zeigt, wie akzeptiert dies alles ist.

Zu guter Letzt lohnt es sich auch noch zu erwähnen, dass ganze Webseiten von solchen Inhaltskopien leben. Inhalte werden hier meist von anderen Quellen kopiert, mit einem eigenen Wasserzeichen versehen und weiterverbreitet. Die Rede ist von Seiten wie 9GAG. Inhalte da sind häufig Kopien von Posts, die es ein paar Stunden zuvor auf Reddit zu vielen Upvotes gebracht haben. Immerhin bei Videos werden meist die Originale eingebunden, nicht jedoch, ohne die kennzeichnenden Intros und Outros der Ersteller zu überspringen.

Ja und… macht doch nichts?

 Unterdessen sollte eigentlich klar sein, dass es, rein von der rechtlichen Situation abgesehen, einfach unethisch und ein wenig dreist ist, einfach fremde Inhalte ohne Quellenangaben zu veröffentlichen und sich so mit fremden Federn zu schmücken.

Dazu kommt aber noch etwas: viele der so verbreiteten Werke, im Speziellen gute Videos von YouTubern, sind die Existenzgrundlage ihrer Ersteller. Durch die Verbreitung dieser Kopien kommen die Ersteller um Einnahmen, die sie sonst durch YouTube-Werbung etc. ihrer Originalvideos hätten – und das ist im Verhältnis einzelner Ersteller um einiges kritischer als bei grossen Hollywood-Studios. Das Problem nennt sich Freebooting:

Ein weiteres Videos gibt es auch von Destin, auf den der obige Beschreibung perfekt zutrifft. Und natürlich gibt es einen guten Artikel von YouTuber, Unternehmer und Internet-Promi Hank Green.

Kurz gesagt: Es gibt viele Personen, die bewusst oder unbewusst Inhalte kopieren und so anderer Leute Lorbeeren ernten. Das ist verbreitet, aber nicht gut – es ist nicht gerecht, es rechtlich kritisch und es bringt echte Inhaltsersteller um die Einnahmen, die es Ihnen ermöglicht, weiterhin neue Inhalte zu erstellen. Doch Besserung ist möglich, und es ist einfach:

guide(GIF via Giphy)

Quellen-Spickzettel für Social Media

Dieser kleine Spickzettel (für Private, Unternehmen und Medien) hier soll euch helfen, beim Verwenden fremder Inhalte eine Quelle anzugeben. Tut dies, um den Erstellern toller Inhalte euren Tribut zu zollen; es ist rechtlich erwähnenswert, unterstützt die richtigen Leute und ist letztendlich einfach nur fair.

Die rechtliche Situation ist hier nicht miteinbezogen. Dafür gibt es andere Experten.

Facebook

  • Ist der Inhalt ein etwas, das direkt geteilt werden kann, also das YouTube-Video direkt einbinden oder ein Inhalt von Facebook mit der Teilen-Funktion teilen?
    Dann sollte es so geteilt werden. Keine andere Option.
  • Ist der Inhalt sonst irgendwo, kann aber einfach hochgeladen werden, wie z.B. ein Bild?
    Fügt den Link zur Quelle dem Update hinzu, z.B.: „…euer Text… (via www.quelle.com)“.

Twitter

  • Ist der Inhalt ein etwas, das direkt geteilt werden kann, also z.B. ein YouTube-Video?
    Verlinkt das Originalvideo direkt.
  • Ist der Inhalt in einem anderen Tweet?
    Nutzt Twitters Retweet-Funktion! Und wenn ihr noch etwas dazu sagen wollt, nutzt Twitters Retweet-Zitat-Funktion.
  • Ist der Inhalt sonst irgendwo, kann aber einfach hochgeladen werden, wie z.B. ein Bild?
    Fügt den Link zur Quelle dem Update hinzu, z.B.: „…euer Text… (via www.quelle.com)“.
  • Ist der Inhalt sonst irgendwo, kann aber einfach hochgeladen werden, wie z.B. ein Bild, es hat aber zu wenig Zeichen für eine Quellenangabe im Tweet verfügbar?
    Veröffentlicht die Quelle direkt nach dem fremden Inhalt und kennzeichnet diese mit dem Hashtag #lasttweet. Das ist nicht ideal, aber besser als keine Quelle.

Instagram

  • Ist der Inhalt ein anderes Instagram-Bild?
    Wenn es wirklich sein muss, tut dies mit einer App wie Repost (Android und iPhone) – so bleibt die Quelle ersichtlich und idealerweise verknüpft.
  • Ist der Inhalt sonst irgendwo, kann aber einfach hochgeladen werden, wie z.B. ein Bild?
    Fügt den Link zur Quelle dem Update hinzu, z.B.: „…euer Text… (via www.quelle.com)“ – auch wenn dieser nicht klickbar ist, leider.

Webseiten

  • Ist der Inhalt ein etwas, das direkt geteilt werden kann, also z.B. ein YouTube-Video, ein Facebook-Update oder ein Tweet?
    Bindet diese direkt ein, es gibt jeweils vorbereitete Embed-Codes, hier z.B. für YouTube, Facebook, Twitter oder Instagram.
  • Ist der Inhalt sonst irgendwo, kann aber einfach hochgeladen werden, wie z.B. ein Bild?
    Fügt den Link zur Quelle dem Update hinzu, z.B.: „…euer Text… (via www.quelle.com)“.

Grundsätzlich gilt zudem: Solltet ihr den Inhalt posten wollen, ohne eine Quelle anzugeben, solltet ihr das direkt mit dem Ersteller abklären.  Die Quelle soll in euren Post ersichtlich und idealerweise anklickbar sein. Ist das alles gemacht, seid ihr super!

Diesen Spickzettel könnt ihr übrigens mittels diesem Link direkt teilen, z.B. als Antwort auf einen Post ohne Quellenangabe:

applaus-danke

(GIF via Giphy)

Fazit – Und jetzt?

Jeder von uns, mir selbstverständlich inklusive, hat es schon getan: irgendwo ein cooles Bild gefunden und dies einfach Mal auf Social Media veröffentlicht. Im persönlichen Profil mag das okay sein, öffentlich auf Twitter, Instagram etc.  geht das aber gar nicht. Fliest keine Arbeit von euch in einen Inhalt, den ihr veröffentlichen wollt, ist es Ehrensache, dass ihr die Quelle referenziert.

Aber wie macht ihr das, wie handhabt ihr Quellen auf Social Media oder auch eurer Webseite? Ich freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren!

Nachtrag: Das Titelbild ist übrigens unter der CC0-Lizenz nutzbar – diese besagt bewusst, dass keine Quellenangabe verlangt wird und auf alle Rechte am Inhalt „verzichtet“ wird. Auch eine Lösung, oder? 😉

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